Archive for the ‘beijing’ tag
Stadt, Land, Leute
Wenn man ein anderes Land bereist, das nicht gerade links oder rechts neben Deutschland liegt, ist es unumgänglich, die fremde Kultur wahrzunehmen. So erfährt man, selbst wenn man es gar nicht beabsichtigt, von den dortigen Eigentheiten und Traditionen und bekommt einen Einblick in eine andere Art zu leben.
So ist es auch für uns hier in Cina. Ich bin zwar bereits vor 7 Jahren einmal in China gewesen, doch nehme ich heute manche Dinge ganz anders wahr, als damals und zusätzlich bewege ich mich hier ganz anders. Ich bin auf mich selbst gestellt, nutze alleine die öffentlichen Verkehrsmittel und suche mir die Verbindungen zum Einkaufszentrum selber. Manchmal gilt es dann zwar abzuwägen, ob man nicht doch lieber das Taxi nimmt oder es auf eigene Faust versucht, doch im Endeffekt ist beides sehr spannend und man kann nicht sagen, das eine sei mehr oder weniger mit einem Abenteuer verbunden.
Es gibt viele Dinge, die sehr gewöhnungsbedürftig sind. So betraten wir zum Beispiel unsere Unterkunft und sofort stieg uns ein typischer Geruch in die Nase, der für diejenigen, die bereits einmal hier waren, einen starken Wiedererkennungswert hatte.
Aber auch die Kultur ist hier sehr auffällig. China ist bekannt für seine Seidenkleider und traditionelle Musik, die man in den alten Bauwerken wieder erkennen kann. Und direkt daneben stehen dann die Neubauten: Wolkenkratzer, deren Spitzen in der dicken Smog-Decke Beijings verschwinden. (So viel dazu: heute ist der Himmel ausnahmsweise mal blau und wir haben richtigen Sonnenschein!) Um den Luftraum um die Stadt herum zu verbessern, gibt es nun Vorschriften, dass nur noch die Hälfte der Autos pro Tag fahren dürfen: da gestern alle Autos mit ungerader Zahl am Ende des Nummernschildes hatten, werden heute folglich alle mit geraden zahlen unterwegs sein.
Aber nicht nur äußerlich unterscheiden sich Berlin und Beijing. Die ganzen Menschen tragen natürlich einen riesigen Teil zum Erscheinungsbild der Stadt bei.
So haben wir vor wenigen Tagen beschlossen, einmal ein großes Einkaufszentrum zu besuchen. Da es unser erster Tag war, vertrauten wir noch auf die Taxifahrer und gingen zu einer Gruppierung von wartenden Fahrzeugen. Da wir zu 8. waren, war es klar, dass wir zwei Wagen benötigen, aber zuerst entflammte eine unglaubliche Diskussion unter den Fahrern, als wir ihnen sagten, wo wir hinwollen. Wir verstanden zwar nicht viel, aber es war einfach unglaublich lustig, wie sie sich darüber ausließen, wie man wohl am besten dahin fährt.
Irgendwann kamen wir dann aber doch an unserem Ziel an und wir machten uns auf den Weg ins Center. Wir hatten zwar nur wenig Zeit, aber es reichte aus, um sich einen Überblick zu verschaffen, was es so alles gibt.
Und auch erst Erfahrungen im Handeln konnten wir sammeln. Dabei habe ich dann auch irgendwann den Dreh rausgehabt und festgestellt, dass der wichtigste Teil beim Handeln ist, einfach wegzugehen. Man wird unter Garantie zurückgerufen und bekommt die Schuhe, oder auf was auch immer man es gerade abgesehen hatte, zu einem Spott-Preis. So habe ich ein paar Chucks, ein Portemonnaie und ein paar Kleinigkeiten erstanden und war damit noch reichlich dezent, wenn man mal die voll gestopften Taschen meiner Kollegen betrachtete.
Es ist ein Paradies für alle Shopping-Süchtigen und selbst ich werde dorthin noch einmal zurückkehren um meine riesige Bestellung an Schuhen zu beschaffen!
Die Eröffnungsfeier
An unserem ersten Tag, nach wenigen Stunden, die uns nach unserer Ankunft hier in Beijing in der Schule zur Verfügung standen, machten wir uns sehr bald auf den Weg zum National Stadium, um der Eröffnungsfeier der 13. Paralympics beizuwohnen.
(Ich weiß nicht, wer von euch das so genannte „Vogelnest“ kennt, betreten oder zumindest im Fernsehen schon mal zu Gesicht bekommen hat, aber im Zweifelsfall ist es im weiteren Verlauf des Artikels nicht weiter wichtig, da ihr euch ansonsten einfach ein Olympia-Stadion vorstellen könnt; groß und viele Menschen!
)
Nach einer Menge Trubel fanden wir dann auch noch freie Plätze im Presse-Bereich, auf denen wir uns niederließen. Auf jedem Stuhl wurde im Rahmen der Vorbereitungen eine Tasche, gefüllt mit einer Taschenlampe, einer Wasserflasche, Fahnen, sämtlichem Werbematerial und noch so einigen Kleinigkeiten platziert.
Zu Beginn fand ein wenig Programm statt, aber nebenher wurde noch geredet und die Menschen strömten noch ein und aus und es war einfach noch viel los. Ab 19.11 Uhr gab es sogar einen Countdown bis zur offiziellen Eröffnung der Feier, die um 20 Uhr mit einem Chor begann.
Die Luft im Stadion war zwar unglaublich dick und unangenehm, aber das bedrückte die Stimmung in keinster Weise. Alle beteiligten sich begeistert an Licht-Spielen mit den Taschenlampen; alle Scheinwerfer wurden ausgemacht und jeder hatte seine Taschenlampe zu nehmen und damit zu leuchten – durch die Massen ergab das natürlich ein unheimlich schönes Bild ab.
Dann begann der Einzug der Spieler aus 148 Nationen. Leider zog sich dieser Teil in die Länge, doch für die Sportler ist es ein sehr wichtiger Moment, in dem sie mit Applaus eintreten und von ihren Fans bejubelt werden, weshalb es natürlich stattfinden musste!
Während dieser Zeremonie standen unendlich viele Tänzer(innen) auf dem Feld, die die nahezu 1,5 Stunden tapfer durchstanden. Man sah zwar, dass sie zwischendurch ein wenig nachließen, doch immer wieder rafften sie sich auf und tanzten mit scheinbar neuer Kraft und Elan wieder weiter.
Mit den letzten Einziehenden, den Chinesen, die mit dem größten und lautesten Applaus empfangen wurden, begann dann die großartige Show.
Zu Beginn betraten riesige Mengen von Teletubbi-ähnlichen Kreaturen das Feld. Sie kamen uns ein wenig suspekt vor, doch die Darbietung war genial! Durch sämtliche Licht- und Toneffekte wurde der altbekannte Gänsehauteffekt hervorgerufen und uns allen lief es kalt den Rücken entlang.
Sehr berührend war der Auftritt eines 11jährigen Mädchens, das nur 4 Monate zuvor ihr eines Bein beim Erdbeben in Sichuan verloren hatte, doch ihre Liebe zum Ballett war so stark, dass sie trotz des Unfalls sehr schnell wieder getanzt hat und der gebührende Applaus lies das Stadion abermals beben.
Darauf folgten Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, die ein blinder Pianist spielte und die währenddessen mit künstlerischen Aspekten unterlegt wurden. So wurde das Feld kurzzeitig in Winter, Frühling, Sommer und Herbst verwandelt, unterstützt durch bestimmte Lichter und natürlich die Musik.
Nach nahezu jedem Act bekamen wir ein beeindrucken und des Feuerwerk zu Gesicht, allerdings stellte wir hinterher fest, dass es wohl von außen sehr viel besser ausgesehen haben muss, als von innen, aber das erfuhren wir ja glücklicherweise erst hinterher!
Es folgten noch viele weitere wirklich gute Shows, immer wieder waren die Masse und technische Effekte von großer Wichtigkeit, um die resultierende Wirkung zu erzielen, aber auch Solo-Gesänge bannten das Publikum und alle ließen sich von der unbeschreiblichen Stimmung mitreißen. Und um 22.37 Uhr wurden die Spiele offiziell für eröffnet erklärt.
Wir versuchten, ein paar Eindrücke fotografisch festzuhalten, aber das war natürlich nahezu unmöglich. Zwischendrin vergas man, dass alles, was uns geboten wurde, von Menschen mit Behinderungen inszeniert wurde. Manche beschreiben diese Feier auch nahezu als „historischer Moment“ zu betrachten, in dem die Chinesen das Klischee des „Gesichtswahrens“ brechen. Genau daas, was ich bereits ansprach. Am Rande der Bühne standen farblich gut erkennbare Helfer, die im Fall eines Falles Unterstützung leisten konnten, wenn die Technik nicht ganz so funktionieren sollte, wie es geplant war.
Alles war zwar perfekt durchgeplant, aber das Unvorhergesehene war Teil der Performance. Und genau das war neu. So handelte zum Beispiel Sun Changtin bei der Weitergabe der paralympischen Flamme ganz spontan, als die Fackel der nachfolgenden Trägerin, der blinden Ping Yali, nicht entflammt und reicht seine eigene weiter.
Unter diesem Gesichtspunkt scheint es die richtige Entscheidung gewesen zu sein, die Spiele in Chinas Hauptstadt zu holen, auch wenn es momentan noch fragwürdig ist und bleibt, in wie fern sich Langzeitwirkungen einstellen werden. Es ist in Frage gestellt, ob sich die Stadt wieder dem alten Gesicht zuwendet, oder ob sie nicht vielleicht die Straßen und Regionen, die momentan noch vor den Augen der „Fremden“ versteckt werden, ebenfalls überholt werden, um so das gesamte Stadtbild in ein neues Licht zu tauchen.
All diese Fragen bleiben offen und wir müssen sehen, was die Zukunft bringt, aber klar ist, dass es als guter Einstieg in eine Neuerung des Blickes auf die eigene Stadt genutzt werden kann.
Enden tat die Eröffnungsfeier mit dem Entflammen des paralympischen Feuers; der im Rollstuhl sitzende Hou Bin zog sich alleine mit der Kraft aus seinen Armen bis an die Decke des Stadions, um mit der Fackel das feuer zu entzünden, ein Moment, in dem das ganze Publikum still auf genau einen Punkt sah und allen zauberte es ein Lächeln auf die Lippen, als das Feuer tatsächlich entflammt wurde und eine riesige Flamme empor stieg.
studiVZ – wozu es gut ist
Interview-Termine…. es ist doch immer schwierig, einen zu bekommen.
Tja, ich sitze nun schon, mit meiner Partnerin, einige Zeit im Internet-Raum des MPCs und bin so ein bisschen am chatten, recherchieren etc. und plotetzlich der geistes-blitz: ich guck mal nach den sportlern bei studi/schuelerVZ…. und: bingo, gefunden! da war die freude ja schonmal gross.
aber dann kam es noch besser: alexandra, meine partnerin, hat den einen radfahrer abgeschrieben und ihm kurz erzaehlt, dass wir heute mit seinen eltern gesprochen haben…. und sie kriegt prompt eine antwort!
tja, manchmal haben wir also auch glueck. wir sind hier grade fast ausgetickt, nur kann man das hier nicht direkt vor den ganzen presse-leuten tun^^
naja, mal schaun, jetzt haben wir zumindest das erste interview sicher und dann sehen wir weiter – ich will uebermorgen mit nem ruderer aus pauls nachbarverein quatschen, mal sehen, ob da was draus wird^^
Natuerlich wuerde ich das MPC heiraten, wenn ich koennte….
Home sweet home…. ich glaube, ich ziehe von meiner Unterkunft ins “Main Press Center”!
So wie uns unser Projekt praesentiert wurde haben wir einen gewissen Standart erwartet. Nicht, dass wir es noetig haben, aber wir wurden mehr oder minder darauf eingestellt.
Aber kaum waren wir da, bekamen wir einen Schock nach dem anderen: Ganz besonders klasse war die Nachricht: “In den letzten Tagen hat es sich nun doch ergeben, dass ihr in einem anderen Trakt wohnt. Im 6. Stock ohne Fahrstuhl!” Sooo, und jetzt stellt euch die Situation vor: eine Gruppe bestehend aus 17 Maedels und einem Jungen, …was der alles zu tragen hatte! ![]()
Also, um euch zu beruhigen, ich habe meine Tasche selbstverstaendlich selber getragen, aber er musste dennoch ca 4-5 mal die Treppen laufen um zu helfen. Und als wir endlichen unseren Gang erreichten, kam uns gleich erstmal der typische unangenhme Geruch chinesischer Unterkuenfte und vor allem Toiletten entgegen, welch herzlicher Empfang!
Momententan geht es nicht darum, nur zu meckern, in diesem Fall geht es ums Prinzip! Wenn man uns so sehr davon vorschwaermt, dass wir 2-Bett-Zimmer bekommen und dass wir in der modernsten Schule Pekings untergebracht sind, darf man dann wenigstens ordentliche Badezimmer erwarten?
Ich finde schon! Aber da kam der naechste Schock: Hock-Toiletten, warum bitte??? Ausserdem ist die Dusch-Situation unglaublich nervig. Badezimmer ist gleich Dusche, demnach kann man nach dem Duschen nur schwerstlich auf Socken Zaehne putzen gehen – es sei denn, man will sich die Fuesse waschen. Denn es gibt keine Duschwannen, das Badezimmer hat in etwa die Formate einer etwas geraeumigeren Dusche plus Waschbecken.
Die Betten sind annehmbar und nach meinen Erfahrungen in Russland soll mir das Bett lieber zu hart als zu weich sein – tja, wir begnuegen uns mit Bett-Staerken von ca 6cm inklusive 2cm Holzbrett, den Rest koennt ihr euch ja vorstellen!
Achja, aber wir wohnen nun ploetzlich doch in 4-Bett-Zimmern mit jew. zwei Chinesen, was sich als sehr ungeunstig erwiesen hat, da wir unterschiedliche Aufsteh- und ins-Bett-geh-Zeiten haben. Es ist eigentlich ziemlich nett, sich mit ihnen zu unterhalten, aber in dem Fall unglaublich ungeunstig.
So, und jetzt kommt der Hoehepunkt (oder auch “der absolute Hammer” fuer diejenigen unter euch, die den Film kennen
): nachts ist der Strom aus! Daher ist auch das Duschen nach Ausschalten der Stromzfuhr (was im Uebrigen per Hand geschieht – in der modernsten Schule Pekings!) kalt! Das erwies sich vor allem am ersten Abend, an dem wir erst gegen Mitternacht nach Hause (ach du meine Guete, jetzt spreche ich schon von “zu Hause”…. schoen waers!
) als dezent misslich. Aber nach dem Flug und so hielten wir es alle fuer noetig und soo schlimm war es nun eigebtlich auch nicht, da wir alle unglaublich geschwitzt haben.
Nun ja, durch den fehlenden Strom kann man aber abends auch nicht mehr wirklich lesen oder arbeiten oder so, gestern startete man sogar den Versuch, uns ins Bett zu schicken – wie alt sind wir denn bitte?! Also, ich fuehel mich wie 9 1/2, so wie wir hier behandelt werden (zumindest was DAS betrifft).
Ansonsten fuehle ich mich leicht hintergangen. Nach aussen hin wird das Projekt ganz toll dargestellt und man stoesst auch auf entsprechende Resonanz. Aber ich weiß langsam besser, was sich dahinter verbirgt!
Wiiiiie gut, dass es unsere Akkreditierungen sowie das MPC gibt!
Die Akkreditierung verschafft uns Zutritt zu den Journalisten-Areas. So kommen wir an den meisten Orten kostenlos rein, koennen die extra-Shuttle-Busse benutzen und haben mehr oder minder die gleichen Rechte wie ein Journalist sie eben hat.
Inbegriffen das Main Press Center, dass sehr schnell als unser Lieblings-Ort auserkoren wurde. Dort gibt es eorupaeische Duschen, bequeme Sofas, angeblich wohl sogar Duschen und vor allem ein MCDonalds! Was fuer ein Glueck, dass alle Journalisten so einen tollen Rucksack bekommen haben, in dem unter anderem (neben einer Trinkflasche, einem Laptop-usb-Ventilator, einer Sonnenbrille, Desinfektionsmittel^^ etc.) 14 Gutscheine enthalten waren, sodass wir uns teaglich (leider festgelegt) eine Sache umsonst holen koennen. Ist schon ne ganz nette Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass das Essen in der Schule wirklich eher unangenehm ist. Einerseits ist es halt Kantinen-Essen und zusaetzlich ist es fuer uns sowieso reichlich ungewohnt, weshalb wir da mit ausserster Skepsis arbeiten.
Naja, fuer das Mittagessen habe wir eh erstmal nen bisschen Geld bekommen, da wir uns den Tag ueber in den meisten Faellen in der Stadt aufhalten werden… allerdings zwingt uns die Geld Menge zu McDonalds, sodass wir nichtmal in den Geschmack von richtigem Essen kommen.
Aber egal, ich will darauf nicht weiter eingehen. Fakt ist: die Schule laesst zu wuenschen uebrig und der Anfang fiel uns allen sehr schwer, da wir nicht akzeptieren wollten, dass doch alles mehr oder minder nur schlechte Ueberraschungen fuer uns bereit hielt. Inzwischen freuen wir uns immer auf das MPC und verbringen moeglichst viel Zeit hier, in sauberer Umgebung und Snack-Staenden sowie kostenlosen Getraenken und funktionierenden Internet-Verbindungen! Wir lieben es!
